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Samstag, 10. Februar 2007
Schwangere Männer, zum zweiten
Donnerstag, 8. Februar 2007
Schwangere Männer
Ein Arbeitskollege hat mich auf dieses Blog aufmerksam gemacht. Auf meinen Einwand, ob das nicht vielleicht ein klitzekleines bisschen frauenfeindlich sei, was dieser Herr mit der gewaltigen, wenn auch gepflegten Bierwampe da zum Besten gibt, meinte er nur: "Das ist doch eine tolle Aktion, wie er sämtliche Vorurteile abfeiert."
Was lernen wir? Wenn Frauen mit einer Schwangerschaft Probleme haben, dann sind das Vorurteile. Während der Mann, fühlt er sich einmal unpässlich, natürlich aufgrund harter Fakten leidet. Mag sein, dass ich spaßfern bin oder zu lange am Kreißbett gestanden habe. Aber auf die Art und Weise, die Björn Svensson wählt, wird mit Vorurteilen bestimmt nicht wirklich aufgeräumt.
Dienstag, 30. Januar 2007
Die Qual der Wahl
Im Tagesspiegel gab es neulich einen sehr netten, hebammenfreundlichen Artikel. Im Grunde würde es ausreichen, diesen Artikel zu streuen, denn ganz simpel drückt er das aus, was Hebammen und Geburtshäuser von Kliniken unterscheidet: Wir glauben in allererster Linie daran, dass eine Schwangerschaft, eine Geburt und auch das Wochenbett zwar schwierige Phasen des Übergangs sind. Phasen jedoch, die junge und gesunde Frauen mit Unterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe meistern können.Die keinesfalls vorwiegend männlich-technisch-medizinischer Unterstützung bedürfen.
Freitag, 19. Januar 2007
Erste Hilfe
Soeben komme ich von einem zweitägigen Erste-Hilfe-Seminar. Das war zum Schluss ganz schön hart - noch dazu mit der Brisanz des Orkantiefs Kyrill, das gerade über uns hinwegtobt. Da wurden wir mit Schlaganfall, Herzinfarkt, Schnittverletzungen, Wunden ohne und mit Fremdkörpern und sonstigen Splatterthemen konfrontiert. Und alle erwarteten von mir, die ich ja Hebamme bin, dass ich das alles total cool wegstecke.
Weit gefehlt, Kollegen! Bei einer Geburt geht es im Normalfall nicht blutig zu. Wir haben Handschuhe parat, Einwegmaterial zum Drunter- und Drüberlegen und - das Beste von allem - eine gute Anästhesie-Abteilung, die im Notfall sofort die lebensrettenden Maßnahmen einleitet. Vorausgesetzt, deren Telefonnummer ist bekannt. Bei einer Geburt sind es auch nicht wild klaffende Wunden, die schmerzen, sondern Wehen, in deren Pause nichts wehtut. Und immer konnte ich der Patientin sagen, dass die Schmerzen aufhören, sobald das Kind da ist!
Das sind doch schon wertvolle Informationen, die mir alle fehlen, wenn ich zu einem scheußlichen Unfall komme, bei dem ich mich erst orientieren muss. Also: Geb's Gott, dass ich niemals als erste zu einem Unfall gerate...
Mittwoch, 17. Januar 2007
Eminenzen
Vielleicht bin ich ja nur nicht schlau genug. Aber aufgrund der Pressemitteilung habe ich schon ganz lange nach der "Online-Sprechstunde Ernährung" gesucht, die ab jetzt für die Dauer von einem Monat von "Mr. Gesundheit" abgehalten werden soll. Gefunden habe ich nichts.
Aber mich gewundert, dass ein Professor, der seinen Titel ehrenhalber trägt und von seiner Berufung her Journalist ist, als Ernährungsexperte Schwangere beraten kann. Das erinnert mich daran, dass ich als junge Hebamme oft bänglich von den werdenden Müttern gefragt wurde, ob ich denn schon Kinder hätte. Und ich mich schämte, weil ich noch nicht geboren hatte, den Schmerz also nicht aus eigener Empfindung her kannte. Kam aber der Herr Professor Gynäkologe herein, war es offensichtlich nicht mehr wichtig, dass er sicher nicht die eigene Erfahrung von Wehen gemacht hatte. Ihm nahmen die Kreißenden ohne zu hinterfragen ab, was immer er auch riet.
Ich war dann sehr gespannt, wie es sich denn nun anfühlt, Wehen zu haben. Und ob sie schlimmer sind oder vielleicht sogar weniger schlimm als die Vorstellung davon. Ich verrate jetzt, dass die Geburt ganz genauso war, wie ich es erwartet hatte. Es ist schon ein ungeheurer Akt, dieses Kinderkriegen! Und es gebührt sowohl der Mutter als auch dem Kind die allerhöchste Hochachtung vor den Urgewalten, die da am Werk sind.
Freitag, 12. Januar 2007
Zeit
Als ich einmal an einem Wochenende Dienst hatte, kam eine Frau in die Ambulanz, die schon über den errechneten Entbindungstermin gegangen war. Sie war in einer merkwürdigen Verfassung, so etwas zwischen unter Druck und Genervt-sein. Auf die Frage, was denn los sei, antwortete sie: "Wir sind gerade umgezogen und nächste Woche ist die Baby-Welcome-Party angesetzt. Ich bin gleich schwanger geworden, als wir uns kennen gelernt haben und deswegen fiel die große Hochzeitsfeier aus. Wir haben deshalb eine Woche nach dem Entbindungstermin alle Freunde in unser neues Haus eingeladen." Ich war einigermaßen sprachlos, denn was mutete diese arme Frau sich zu? Wie wenig sind Frauen heute vorbereitet auf das Wochenbett? Wie sehr stellen sie sich wirklich der Umstellung auf ein Leben mit Kind?
Die Frau hat in der darauf folgenden Woche geboren. Ob die Party stattfand und wie sie gelaufen ist, weiß ich nicht. Ich musste mich nur ziemlich zurückhalten, um ihr nicht zu sagen, dass es ja kein Wunder ist, wenn das Kind auf sich warten lässt, wenn es weiß, was für ein Stress da draußen auf es zukommt...
***
Kürzlich erzählte mir eine Kollegin, dass sie zwei Wochen nach der Geburt beim Wochenbettbesuch gefragt wurde, welches Spielzeug denn jetzt fürs Kind angemessen und förderlich sei. Wir waren beide hin- und hergerissen zwischen Belustigung und Entsetzen. Es reicht wohl nicht, dass von Eltern jetzt zu Beginn des achtstufigen Gymnasiums die Karriereplanung fürs Kind festgelegt wird. Nein, es geht schon im Wochenbett mit dem Fördern und Fordern los. Keine Zeit mehr für Ausprobieren, lustvolles Zeitvertun und Fehler. Wir armselig.
Mittwoch, 13. Dezember 2006
Ist es nicht immer wieder rührend? Da berichtet die UNICEF über die Todesgefahr, unter der die meisten Mütter ihre Kinder gebären und dann gibt es da den ruhmreichen Dr. Karp, der mit seinen fünf Werkzeugen für junge Eltern so tut, als hätte er das Rad neu erfunden. Denn was rät er, wenn die Babys weinen? Mit regelmäßigem Zischen (!), dem straffen Einwickeln des Babys in ein Pucktuch, Schaukeln, dem Halten des Säuglings sowie Schnullern sollen Eltern die Lebensumstände, die ihr Baby im Bauch vorfand, imitieren und so deren angeborenen "Ruhe-Reflex" auslösen. Ja, als Arzt, Mann zumal, ist der Mensch so fündig, aus Selbstverständlichkeiten ein Produkt zu entwickeln, das geplagten Eltern Hilfe verspricht und dann auch noch garantiert funktioniert!
Klar funktioniert das, was Jahrtausende Mütter instinktiv mit ihren Kindern getan haben, um sie zu beruhigen. Aber der moderne Mensch glaubt Dinge erst, wenn er sie erlebt.
Unicef-Jahresbericht
Frauen geht es in den meisten Teilen der Welt immer noch viel schlechter als Männern. Das ist soweit nicht neu, aber bis sich daran etwas ändert, ist es sehr verdienstvoll, wenn es immer wieder kommuniziert wird, so wie es jetzt UNICEF getan hat.
Kommuniziert? Das reicht nicht. Jedem Menschen müsste der Kragen platzen beim Lesen solcher Nachrichten:
- In Ländern wie Burkina Faso und Nigeria berichten laut Unicef 75 Prozent der Frauen, dass sie erst ihren Mann fragen müssen, wenn sie wegen Schmerzen zum Arzt wollen
- Als Mädchen geboren zu werden, kommt in vielen Entwicklungsländern einem Todesurteil gleich
- Auch in vielen Mittelschichtsfamilien würden weibliche Föten systematisch abgetrieben, Mädchen von Bildung ausgeschlossen und hätten kaum Rechte
- Und immer wieder: Mehr als eine halbe Million Frauen pro Jahr sterben an Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt.
Wie also können wir unsere Wut hinausschreien in die Welt, dass Frauen für die wunderbarste Sache der Welt, nämlich Kindern das Leben zu schenken, viel zu oft noch mit dem Leben bezahlen müssen?
So lange nicht alle Menschen ihre Talente da einbringen können, wo sie es gerne mögen, so lange ist es schwierig, an der Welt nicht zu verzweifeln, so wie sie ist.
Freitag, 8. Dezember 2006
Bindungsforschung II
Der nächste prominente Redner auf dem Symposium war Remo Largo, Kinderarzt in der Schweiz. Er sprach von den Konflikten, die zur Erziehung gehören, von den "ganz normalen Katastrophen", und stellte seine These vor, wonach die Bindungsbereitschaft des Kindes mehr ein individuelles Merkmal ist, als dass sie von der Betreuungsqualität abhinge. Er verwies darauf, dass Kinder sich an die Lehrer binden wollen, worauf diese durch ihre Ausbildung überhaupt nicht vorbereitet sind und deshalb auch nicht entsprechend reagieren können.
Er verwarf das Wort "Ablösung", das meistens die Pubertät kennzeichnen soll und sagte stattdessen: "Die Bindung wird aufgelöst". Jetzt müssen sich die erwachsenen Bezugspersonen wie Eltern und Lehrer ihre Autorität durch Kompetenz erarbeiten, es reicht nicht mehr einfach, erwachsen zu sein. Gleichzeitig werden die Gleichaltrigen immer wichtiger. Hier suchen sich die Jugendlichen die Geborgenheit, die sie aus der Familie kannten und können sie bei Gleichaltrigen nicht finden. Probleme sind also unausweichlich.
Auch Remo Largo ging ausführlich auf die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation mit einem Säugling ein: Wie sehe ich aus, welche Mimik benutze ich, wie berühre ich das Baby, wie sehe ich es an. All das sind wichtige Signale, die das Kind zu deuten lernt.
Sein Votum zum Schluss galt den Erwachsenen: Wenn wir wollen, dass sich Kinder anders verhalten, müssen wir Vorbilder sein, nicht mit den Kindern gemeinsam fernsehen, sondern uns ihnen zuwenden und uns mit ihnen unterhalten, nicht nur über sie reden.
Mittwoch, 6. Dezember 2006
Bindungsforschung I
Am Wochenende konnte ich an einem Symposium zum Thema Bindungsforschung teilnehmen. International bekannte Koryphäen referierten zum neuesten Stand der Sozialpsychatrie. Prof. Dr. Hellbrügge hielt mit seinen 87 Jahren noch selbst das Eingangsreferat.
"Das Geheimnis der Menschwerdung vollzieht sich im Dauerdunkel des Mutterschoßes"
so begann er seinen Vortrag. Und mir fiel dazu gleich der Ultraschall ein. Mütter vertrauen lieber auf die Möglichkeiten des Babyfernsehens und der Aussage des Arztes über ihr Ungeborenes, als sich auf ihr Kind einzulassen. Dabei beginnt die Bindung an das Kind längst vor der Geburt! Und es ist gar nicht so schwer, eine Beziehung zu dem Kind herzustellen, das im Bauch reift.
Prof. Hellbrügge erzählte davon, dass der Staat sich um die Verringerung der Säuglingssterblichkeit bemühte, weil ihm die Rekruten ausgingen. Geradezu abenteuerlich waren die eingeblendeten Rezepte zur Zubereitung von künstlicher Säuglingsnahrung, die für Frühgeborene überlebenswichtig war. Viel Maizena und Öl wurde verarbeitet. Kein Wunder, dass die Babys anschließend an einer Gedeihstörung litten!
In seinen frühesten Studien fand er heraus, dass die Säuglinge nachts zwischen ein und fünf Uhr die größte motorische Unruhe zeigten. Das ist die Zeit der längsten Nahrungskarenz. Es galt ja mindestens den 4-Stunden-Rhythmus einzuhalten, ein Relikt, das sich immer noch hartnäckig in vielen Ratgebern hält.
Er fand heraus, dass alle Kulturen intuitiv gleich auf die Signale des Säuglings reagieren. Mütter heben ihre Stimme und mindestens eine Oktave und gehen mit ihrem Gesicht ganz nah an ihr Baby heran, damit es die Augen finden kann. Dass die Augen immens wichtig sind, veranschaulichte er mit einem Foto eines seiner Urenkelkinder, das, eine kleine Steinplastik umarmend, in dessen Gesicht nach den Augen sucht. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung weiß er: Eine sichere Bindung fördert die Intelligenz.